Tag 25: »Sitzen die Leute endlich im Gefängnis?«

Wenn Du noch ein einziges Mal über die Linie trittst, schmeiß‘ ich Dich raus. Du machst das doch extra. Ich kenne Typen wie Dich. Es sieht ja keiner, denkst Du dir.

Doch, ich sehe Dich! Ich bin höflich, ich sage Dir, dass Du hinter der weißen Linie bleiben muss. Du schaust mich unschuldig an und trittst in gespielter Demut zurück auf die richtige Seite. Ich weiß ganz genau, dass Du dort nicht bleiben wirst. Du willst mir zeigen, wer hier die Macht hat. Weil Du eine Eintrittskarte gekauft hast?

Wieder respektierst Du die Grenze nicht. Deine Hand geht nach oben, Du zeigst mit dem Finger. Zentimeterkurz vor dem Bild hältst Du inne, ich sehe Deinen Seitenblick zu mir. Ich spreche nur mit den Augen und weiß, dass Du weißt, was Du tust. Es gibt keine Regeln für Dich.

Denkst Du. Ich kenne hier alle Regeln und ich werde sie anwenden. Das ist meine Berufung. Ich unbedeutende Aufsicht bin meiner Berufung ganz nah hier in diesem Raum. Mit den Arbeiten, die ich liebe.

Noch eine Sekunde, da, jetzt bist Du drüber. Mit beiden Schuhen. Ich sammele meine Kraft und schreie Dich an, ich habe hier nämlich Hausrecht. Genau das schreie ich Dir zu. Dass Du jetzt hier rausfliegst. Um mich herum wird es still. Alle schauen mich. Ganz ruhig werde ich.

Im nächsten Raum fragt ein Besucher im Vorbeigehen: »Sitzen die Leute endlich im Gefängnis?«