Tag 99: »Die fünfzig«

Sie wandeln noch einmal vorbei, die documenta-Menschen, da an der Scheibe vor der Braumanufaktur:

Die Hustgruppe aus Solm, die Fahrradgruppe beim Holzapfel, die Frau im Dunklen. Der verkleidete Brad Pitt, Adam vorm Spiegel, Jeremias und Henriette im Parthenon. Der Mandant, der am liebsten die ganze documenta kaufen würde.

Der Junge, der jetzt mal was Schönes machen will. Das streitende Paar, das versöhnte Paar. Der 85-jährige, der bald stirbt und seine Sprache mit ihm. Der Mann, der den Shuttle verpasst und in der Bäckerei nichts zu essen kriegt. Das Paar, bei dem es bei der Seife aufhört. Das Paar, bei dem es in der Orangerie erst anfängt. Kleine Jungs auf Stühlen ohne Sitz und Lehne.

 Zwei Grafiker und zwei Punkte, Mann. Weinende Menschen, lachende Menschen. Flüsternde Menschen. Thomas Mars, das Double vom Schimtschick. Pippi-Pausen-Macher. Influencer mit documenta-Tischdecken zum Ausmalen. Marmorzeltplatzbesucher. Selfie-Verrückte. Monstrumstadtplanbenutzer.

Das Lightbackpack, das endlich auf dem Ikea-Regal im Garderobencontainer Pause machen darf. Karl, das Meerschweinchen, dass sich in die Ausstellung schmuggelt. Der Hund, der eigentlich zur dogumenta wollte. Entspannte Pferde, die gerade 3000 Kilometer hinter sich haben.

Mitarbeiter, Aufsichten, Chronisten, die ihre Arbeit mögen und sich hingeben für die Besucher. Matze, der so schön Boooooonnnnng machen kann. Die Machbars vor 20 Jahren. Aaron, Matthias, Rebecca, Jonas, Sophia, Tina, Eberhard und morgen noch der andere Matthias.

Sie alle haben die documenta 14 entdeckt, auf ihre Weise. Mit wachem Blick, der dabei hilft, sich für das Neue zu öffnen. Einfach hinsehen. Einfach empfangen. Sie alle bleiben, mit ihrer Empathie, ihrem Enthusiasmus – und ihrer Liebe.

Da, noch einer wünscht sich in der Lesung was: »Die fünfzig«

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