Tag 82: »Alter Schwede, Mann«

Vor 20 Jahren war alles Machbar. Eine kleine Truppe mit geliehenen Apple-Computern rockt die documenta X. Sie waren in einem ehemaligen Frisiersalon untergekommen, hängten selbstgebaute Lampenvasen ins Schaufenster und los ging’s. Denn diese Jungs hatten etwas, was die documenta brauchte: Zeit.

Zeit, einen Parcoursplan zu gestalten, der sich stündlich änderte. Minütlich. Sekündlich. Was diese Designer geduldig machbar machten. Mit äußerst unruhiger Kundschaft auf Seiten der künstlerischen Leitung. Die alle, wirklich alle, komplett verrückt machen wollte. Was blieb ihnen auch anderes übrig, sie waren ja selbst verrückt. So waren wir im Verrücktsein vereint, holten Bier aus dem Pressestellenkühlschrank, stießen an, »nich‘ lang schnacken, Kopf in Nacken«, tranken aus, machten weiter. Wenn der Kühlschrank leer war, wechselten wir zur künstlerischen Leitung, die bunkerten noch Wein aus Sardinien. Und wieder von Machbars eine neue Flyer-Fassung-Fertig.

Nebenbei wurden die Souvenirs gestaltet. Logo auf alles! Als es ans Verkaufen ging auch die Souvenirverkaufscontainer. Hatte vorher keiner dran gedacht, »müssen wir noch einrichten«. Also ran und machen. Hinten haben wir noch zusammen gefegt und zusammengefegt, vorne kamen die Leute rein: »Was denn Klose, was denn Klose?« Silberblick und Rotsehen: Rotes Kreuz auf silbernen Grund, Farben und Pinsel dazu,  Besucher-Künstler konnten ausmalen! Fast wie bei Beuys.

War das vor 20 Jahren? Nein, das war gestern. Ich schwöre. Bis heute habe ich ihr Liedchen im Ohr: »Alter Schwede, Maahn. Alter Schwede, Maahn. Alter Schwede, Mahahaan. Alter Schwede, Mann.«

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