Tag 75: »Wenn das Interesse ist, Kunst schlecht zu machen, dann ist das eben die Herangehensweise«

Diese Scheiß-Freundlichkeit, obwohl man doch gar nicht freundlich ist. Für mich ist das ein aggressiver Akt. Verlogen. Mein Interesse ist es, die Kunst schlecht zu machen. Tja, Freunde, so ist das Leben. Kein Ponyhof. Die Kunst wird schlecht gemacht, heul doch. Gernot Hassknecht wäre stolz auf mich, wir würden zusammen die Kunst ANSCHREIEN.

Ich will mich streiten. Mich aufregen. Meckern. Aber was passiert: Keiner mehr da! Ende letzter Woche endlich dieser Satz: »Auf ihren eigenen Territorien errichten die Europäer Konzentrationslager und bezahlen ihre Gauleiter in der Türkei, Libyen und Ägypten dafür, die Drecksarbeit entlang der Küsten des Mittelmeeres zu erledigen, wo Salzwasser mittlerweile das Zyklon B ersetzt hat.«  Das ganze Ding hieß »Auschwitz on the Beach«, Performance von Feinsten bei der documenta 14. Konzentrationslager! Gauleiter! Zyklon B! AUSCHWITZ! Ein richtiger Hashtag-Cocktail zum Abrasten. Oh my goodness, wie schön hätte das morgen werden können!

Doch was passiert? Nichts. Absage. Stattdessen:  Eine »partizipative Diskussion über die neuen Gesichter des Faschismus und der aktuellen Politiken der Migration in Europa«. Und: Auftritt der Lösungsbegrüßer. Also die, die die Absage der Performance als Lösung begrüßen.

Da, wieder einer aus dem Chor mit vollem Verständnis für mich, den Kunstbanausen: »Wenn das Interesse ist, Kunst schlecht zu machen, dann ist das eben die Herangehensweise.«

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