Tag 56: »Am Rand der kleinen, kleinen Stadt lag ein alter verwahrloster Garten«

#BücherklauAmParthenon7

Das Buch von K. hat Jeremias verwandelt. Schon nach einer Seite, noch in der Nacht spürt er, wie die Worte ihn verändern. Er ist ein Entschlossener geworden: Er muss Henriette wiedersehen. Er braucht sie – und ihre Bücher.

Wie immer ist sie einfach da. Sie sitzt auf den Stufen des Fridericianums. Er geht auf sie zu, will sie ansprechen, doch sie sagt den ersten Satz.

»Sie haben sich in die Falsche verliebt.«
»Wollen wir nicht ‚Du‘ sagen?«
»Du hast Dich in die Falsche verliebt.«
»Ich pflege mich nicht zu verlieben. In die Falsche schon gar nicht.«

Wie schön, dass sie da ist. Egal, was sie sagt, es ist gut, Henriette zuzuhören.

Sie gehen ein Stück zum Parthenon. Gleich vorn bleiben sie stehen. An einem Buch. Henriette berührt das Buch kurz und doch irgendwie innig. Im Schein einer Straßenlaterne liest Jeremias später den ersten Satz:

»Am Rand der kleinen, kleinen Stadt lag ein alter verwahrloster Garten.«

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