Tag 52: »Wie froh bin ich, dass ich weg bin«

#BücherklauAmParthenon3

Was hat er mit diesem Holden Caulfield zu tun? Was will die Frau damit andeuten? Jeremias wundert sich, dass Caulfield überhaupt etwas aufschreibt. Der hat genauso viel Probleme mit den Lehrern wie er damals. In der Schule galt Jeremias einfach nur als dumm. Weil er nicht lesen lernen wollte und einfach was auswendig daher sagte.

»Und, haben Sie schon gelesen?«

Jeremias steht sofort unter Schock. Die Frau hat sich ihm von hinten genähert. Oder hat sie sich angeschlichen? Er lächelt schief, er muss etwas sagen.

»Nur die erste Seite.«
»Dann hat es Ihnen nicht gefallen?«
»Doch, sehr sogar. Ich lese aber nur langsam.«
»Ah, wie John Franklin im ersten Buch.«
»Genau so.«

Jeremias kann es nicht fassen. Sie ist so freundlich mit ihm. Wann war jemand mal so freundlich mit ihm gewesen?

»Ich heiße übrigens Henriette.«
»Jeremias.«
»Das ist ein schöner Name.«
»Ihr Name ist auch schön.«
»Wollen Sie das Buch weiterlesen?«
»Bin mehr so der erste-Seite-Leser.«

Henriette lacht, nickt und geht mit Jeremias zu einer anderen Parthenon-Säule.

»Das ist ein mein Lieblingsbuch mit der besten ersten Seite der Welt.«

Jeremias hätte das Buch fast vor ihren Augen aus der Folie geritzt. Gerade kann er sich noch beherrschen, am Abend hält er es in den Händen:

»Wie froh bin ich, dass ich weg bin.«

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