Tag 5: »Why did you buy so much?«

Was für ein Licht. Ich schaue aus der Straßenbahn in dieses Licht und beschließe, wieder auszusteigen. Mich durch die Stadt zu bewegen in diesem Licht.

Die Tür zum Kino ist geöffnet, ich gehe hinein. Ich kann kaum etwas erkennen, so hell war es draußen. Ich bin allein im Kino. Der Film beginnt, es ist genauso hell wie bei uns, es ist 7.40 Uhr morgens. Es ist in China.

Dreck überall. Ich sehe im offenen Flur eines Wohnhauses. Ein Schuss fällt. Nein. Es ist ein Feuerwerk am helllichten Tag. Ein Mann geht vorbei, spuckt aus. Die Kamera schaut nach unten über die Brüstung und sieht Müllleute, die riesige Säcke verladen. Keiner der Menschen sagt etwas. Einer putzt sich die Zähne vor seiner Tür, spuckt auf den Boden aus. Eine Frau kämmt sich vor ihrer Tür. Ein Hund winselt und winselt. Menschen mit großen Thermoskannen gehen Treppen nach unten, nach oben. Ein Mann klopft, ruft einen Namen, niemand öffnet, er geht wieder. Wasser wird vor einer Tür ausgeschüttet. Nach 30 Minuten fällt der erste Satz.

Die Kamera schwenkt nach innen. Ein Raum voller Nähmaschinen. Niemand arbeitet. Die Menschen plaudern. In den großen Thermoskannen ist Wasser. Die Kamera schwenkt wieder hinaus. Ein Mann schmeißt Müll aus dem 2. Stock auf die Straße. Auf dem T-Shirt eines anderen Mannes steht MADNESS, er geht in die Nähmaschinen-Werkstatt, die Kamera schwenkt mit. Untertitel zeigen, wie die Menschen heißen, wie alt sie sind. Einer ist 40, wie ich.

Ich trete wieder auf die Straße. Nirgendwo liegt Müll. Ich bin so unglaublich froh, hier zu sein. Ich höre die Frau aus dem Film den ersten Satz sagen: »Why did you buy so much?«

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