Tag 46: »Von Michael Althen lernen«

Ein schöner Tag auf der documenta 20. Gerade habe ich mich mit dem künstlerischen Globally Recognized Avatar unterhalten. Wir sind zusammen durch die Ausstellung  gelaufen, haben die Kunstwerke betrachtet, haben selbst etwas dazu gestellt. Jeder ist ein Künstler. Alles mit Neuroübertragung geteilt, schon sind zwei Millionen andere bei uns und machen Kunst. Im hyperraumkassel, das ist so schön altmodisch, kommen wir an einem einzigen Ort zusammen und zeigen uns die kleine Welt. Wir bleiben zuhause, bezahlen ein paar Bitcoins, docken uns an, fliegen über das Nordhessische Bergland googleappleamazonmap-gleich tief in die Erde und lassen uns durch den vertikalen Erdkilometer nach oben beamen. Wir bekommen riesige Rucksäcke umgeschnallt, die wir mit ins Fridericianum nehmen dürfen – alles fällt von der Wand, wenn wir uns umdrehen und alles schwebt wieder an seinen Platz. Wer will, kriegt Bonuspunkte in sein Backpack.

Die regionale Zeitung HNA, die Hollistische Neurolinguistische Allgemeine, hat die Köpfe der Woche in die Ausstellung gestellt, wir gehen mit ihnen spazieren. Alle sind sie da: Catherine David parliert über die Socken, Jan Hoet hat wie immer einen Tobsuchtsanfall, Okwui Enwezor immer noch die meisten Schuhe und Anzüge, CCB besteigt mit uns den Turm der Elisabethkirche und wir tragen gemeinsam den Balkenhol-Mann zum Friedrichsplatz, mit Rudi Fuchs gehen wir ins documenta-Dachkino und schauen Gilbert & George, Buergel und Noack leihen uns Stiefel und wir matschen zusammen in der Karlsaue,  Harald Szeemann schrumpft uns und wir dürfen ins Maus-Museum, bei Joseph Beuys probieren wir den Honig und dann sind wir der Honig und sausen durch die Schläuche, mit Arnold Bode laufen wir durch die kaputte Orangerie und bauen sie Stein für Stein wieder zusammen.

Im Archiv-Gang Nummer 14 im documenta-Institut am Rosenhang lese ich den wunderbaren Spruch »In der documenta schlafen, heißt der Kunst vertrauen«. War der nicht von diesem Filmkritiker Michael Athen, der zu früh gestorben ist? Und war das Motto damals nicht: »Von Michael Althen lernen«

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