Tag 40: »Es gibt nie eine Erklärung dazu«

Ich habe mich entschlossen, die Erklärungszettel bei der documenta 14 komplett einzusammeln.

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass immer wieder Zettel fehlen? Das bin ich aber nicht! Ich mache das viel einfühlsamer. Ich tausche die Zettel aus – mit meinen Erläuterungen der Kunstwerke. Bisher ist das nicht aufgefallen. Das soll es auch nicht, es ist ein diskursiver Prozess. Ich stelle mich manchmal dazu und höre hin, wenn die Besucher meine Erklärungen diskutieren.

Ich bin meine Performance, die documenta spricht mir aus dem Herzen: »Dieses performative Zusammenkommen etabliert keine Hierarchien zwischen sich radikal unterscheidendem Wissen, Sprachen und Praktiken, zwischen Aktivismus und Performance, zwischen Theorie und Poesie, zwischen Kunst und Politik: Kollektiv versuchen wir uns an der Herstellung eines öffentlichen Raums der Sichtbarkeit und der Artikulation.« Das mache ich! Immer zwischen!

Ich handele strikt nach dem Prinzip von Herrn Szymczyk. Ich werde Teil des »denkenden Organismus« dieser documenta. Ich setze mich »dem Unverständlichen aus«. Ich denke selbst. Das haben alle Choristen von mir in den Walks immer wieder verlangt. Ich habe meine eigenen Gedanken aufgeschrieben, in das documenta-Layout gebracht und aufgehängt.

Die Frau neben mir sucht einen Erklärungszettel, ich weiß, wo er ist, sie weiß es nicht: »Es gibt nie eine Erklärung dazu«

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