Tag 35: »Do you want to go there? Nääh!« 

(Ein Paar wartet vor dem Eingang der Henschelhallen auf den Einlass zur Performance. Die Frau des künstlerische Leiters gibt sich die Ehre. Es gibt mehr Interessenten als Karten, das wird schnell klar. Viel mehr Interessenten)

»Do we need tickets?«

»Oh Mann, sprich deutsch mit mir, ich habe dir gesagt, ich hasse das.«

»I’ll have a look.«

(Der ältere der beiden Männer geht nach vorn und unterhält sich mit dem Wachpersonal. Alles sind wie immer extrem freundlich, Therapeuten würden von »aggressionsgehemmt« sprechen. Es werden, an einem Tisch, Listen überprüft, Köpfe geschüttelt, Handy bedient, wieder Köpfe geschüttelt. Nach einer Weile kommt der ältere Mann zurück)

»No more tickets.«

»Weißt du was? Versuch‘ mit dieser englischen Nummer mal eine Eintrittskarte zu bekommen. Ich jedenfalls habe eine.«

»Maybe online.«

(Er klappt sein nagelneues iPad Pro 10,5“ auf, zaubert ein Applepencil aus der Tasche und tippt in atemberaubenden Tempo auf dem Gorillaglas herum. Es ist deutlich zu sehen, dass er die Split-View-Technik im Safari-Browser beherrscht, denn er scannt gleichzeitig zwei Ticketportale. Um dann den Kopf zu schütteln)

»Shit happens. No more tickets.«

»Nur, dass immer nur dir die Scheiße passiert.«  

»Let’s share your Eintrittskarte.«

»Da nützt dir gar nichts, auch wenn du jetzt was Deutsches dazwischen laberst.«

»Please be so kind to support me.«  

»Noch ein Wort von deinem Scheiß-Englisch und ich haue ab.«

»Excuse me?«

(Der jüngere der beiden Männer stürmt nach vorn, hält dabei sein Ticket, Pardon, seine Einlasskarte nach oben. Das Wachpersonal stoppt ihn, extrem freundlich, wie immer. Er muss warten, wie alle. Dann endlich geht es voran, langer Marsch durch die Halle. Die Zuschauer sitzen mit auf der Bühne, großes Gedränge, das Paar ist wieder zusammen, aber unentschlossen: Erste Reihe mit Gefahr von Mitmachenmüssens oder die fast volle letzte Reihe mit der Garantie des Nixsehenkönnens)

»Do you want to go there?« 

»Näah!« 

Kommentar verfassen