Tag 33: »Das Lightbackpack muss zur Garderobe«

Ich bin kein Turnbeutel! Gerade hat mich ein älterer Herr so genannt. Das ist eine Un-ver-schämt-heit. Ich bin Lightbackpack, in silber, mit schwarzer Kordel und einem extra Fach für die Geldbörse. Stark und treu, umweltfreundlich, wiederverwendbar und ganz ohne Chemie, robust, wasserabweisend und waschbar. Und toll aussehen tun sie auch noch. Sagen die Menschen, die mich kennen.

Mein neuer Besitzer tut sich noch etwas schwer. Er schwitzt unter mir! Das ist etwas unangenehm, merke ich mal höflich an. Ich kommuniziere ihm das auf meine unnachahmliche Weise: Ich werde sehr schwer. Doch der User kennt meine Sprache noch nicht. Er trägt mich einfach weiter – mit transpirativen Mega-Erfolgen. Fast alle meine Artgenossen werden abgelegt, ich bleibe auf dem Rücken. Ich bin es light. Mein alter Kumpel, eine Handtasche, wird auf dem Boden gestellt. Ich sehe es genau: Sie chillt! Mehrere Plastiktüten dösen unter einer Bierbank im Schatten. Zwei Lehrerrucksäcke (von Jack Wolfskin, der Looser-Marke) turteln abgehängt auf einem Stuhl. Ein Portemonnaie schläft im Kinderwagennetz neben einem komatösen Regenschirm.

Ich hänge hier in der Sonne, reflektiere, was das Zeug hält. Doch ich werde immer heißer, ich VERGLÜHE. Ich brauche jetzt dringend eine Pause. Vom Schweiß, vom Trubel, von dem schweren Zeugs in mir. Auf einem dieser schönen Ikea-Regale in einem dieser weißen Container.

Und was sagt diese fantastische Frau am Eingang zu meinem Besitzer? Sie spricht mir aus dem Herzen, sie erhört mein Flehen, sie erbarmt sich meiner: »Das Lightbackpack muss zur Garderobe.«

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