Tag 23: »Kommt ja überall vor: Traurigkeit und Feinde«

Meine Damen und Herren, ich habe die außerordentliche Freude, Sie heute auf der documenta 14 begrüßen zu dürfen. Als Rechtsanwalt und Notar stehe ich der Kunst ja als Betrachter gegenüber und frage mich oft: Was soll das? Das aber, meine Damen und Herren, ist gar nicht die Frage. Die Freiheit der Kunst ist ja auch die Freiheit der Deutungslosigkeit. Wir deuten auch nicht unsere Mandanten, sondern machen jeden Tag unsere Arbeit im Dienste der Menschheit. Ja genau, so hoch können wir heute schon einmal den Anspruch hängen, meine Damen und Herren. Denn was wäre die Welt ohne uns? Eine bessere Welt? Ganz sicher nicht, meine Damen und Herren. Eine Welt ohne uns wäre eine traurige Welt ohne außergerichtliche Einigungen, ohne Grundbücher, ohne das Recht, auch Recht zu bekommen. Lassen Sie sich durch diese documenta treiben, reflektieren Sie sich mit der Kunst, stellen Sie sich in Frage, meine Damen und Herren, kommen Sie den Ursprüngen Ihres Dasein auf die Spur, seien Sie einmal Sie selbst, lassen Sie den Anwalt Anwalt sein, den Notar Notar. Erleben Sie sich in dieser freien Welt der Künste. Ich wünsche Ihnen, meine Damen und Herren, einen ereignisreichen und lehrreichen Tag. Auf das Sie ein Anderer sind am Ende dieses Tages.

Eine Mutter steht im Hintergrund und sagt zu ihrem Sohn: »Kommt ja überall vor: Traurigkeit und Feinde.«

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